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MEXIKO: Die Mauern oben, die Risse unten und links

Die Kommission Sexta1 der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN, Ejercito Zapatista de Liberacion Nacional) und die zapatistischen Unterstützungsbasen rufen auf zur weltweiten Kampagne: Angesichts der Mauern des Kapitals, Widerstand, Rebellion, Solidarität und die Unterstützung von unten und links 2. Ziel der Kampagne ist die Organisation eines weltweiten Widerstandes, und zwar angesichts der Aggressivität des grossen Geldes und dessen Aufseher_innen auf unserem Planeten, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt in Angst und Schrecken versetzen, rufen wir dazu auf, in autonomen Organisationsformen zu widerstehen und gegen Verfolgungen, Verhaftungen und Abschiebungen zu rebellieren. Wenn jemand gehen muss, dann sollen sie es sein, die von Oben.
Jeder Mensch hat das Recht auf eine freie und würdige Existenz, dort, wo es ihm am Besten erscheint, und hat das Recht, für den Verbleib an diesem Ort zu kämpfen. Der Widerstand gegen Verhaftungen, Vertreibungen und Ausweisungen sind ein Muss, so wie es auch ein Muss ist, jene zu unterstützen, die sich gegen diese Ungerechtigkeiten auflehnen, unabhängig von den Grenzen.
Wir müssen all diese Menschen wissen lassen, dass sie nicht allein sind, dass ihr Schmerz und ihre Wut auch aus der Ferne sichtbar sind, dass ihr Widerstand nicht nur begrüsst, sondern auch unterstützt wird, und sei es auch nur mit unseren kleinen Mitteln.
Wir müssen uns organisieren. Wir müssen widerstehen. Wir müssen Nein sagen gegen Verfolgungen, Ausweisungen, Gefängnisse, Mauern und Grenzen. Und wir müssen Nein sagen zu den nationalen schlechten Regierungen, die Komplizen dieser Politik des Schreckens, der Zerstörung und des Todes sind und waren. Von Oben werden keine Lösungen kommen, denn dort wurden die Probleme geboren.
Daher rufen wir die gesamte Sexta auf, sich zu organisieren, alle nach ihrer Zeit, ihrer Art, ihrer Geographie, um jene zu unterstützen, die gegen die Ausweisungen widerstehen und rebellieren. Sei es durch Hilfe, damit sie in ihr Zuhause zurückkehren können, sei es durch die Schaffung oder die Unterstützung von Zufluchtsstätten, sei es durch Rechtsberatung und -unterstützung, sei es mit Geld, sei es mit Kunst und Wissenschaft, sei es mit Festivals und Mobilisierungen, sei es durch kommerziellen und medialen Boykott, sei es im Cyberspace, sei es wo auch immer und wie auch immer. Überall, wo wir uns bewegen, ist es unsere Aufgabe, zu helfen und solidarisch zu sein.
Der Augenblick ist gekommen, in dem wir Solidaritätskomitees mit der kriminalisierten und verfolgten Menschheit schaffen müssen. Heute mehr als jemals zuvor ist ihr Haus auch unser  Haus. Wir, die wir Zapatist_innen sind, haben nur eine kleine Kraft und obwohl unser Kalender weit und tief gründet, so ist unsere Geographie doch begrenzt.
Daher und um diejenigen zu unterstützen, die den Festnahmen und Deportationen widerstehen, hat die Kommission Sexta der EZLN vor einigen Wochen begonnen, Kontakte mit Personen, Gruppen, Kollektiven und Organisationen aufzunehmen, die Anhän-ger_innen der Sexta auf der ganzen Welt sind, um herauszufinden, wie wir Hilfe bringen können, damit sie ihre Aktivitäten und Aktionen zugunsten der Verfolgten fortsetzen oder beginnen können.
Als ersten Schritt senden wir ihnen die künstlerischen Arbeiten, die von den zapatistischen indigenen Männern und Frauen für das CompArte im letzten Jahr geschaffen wurden. Ebenso senden wir Bio-Kaffee, der von den indigenen zapatistischen Comunidades in den Bergen des Südostens von Mexiko angebaut wurde, damit sie durch den Verkauf dieses Kaffees künstlerische und kulturelle Aktivitäten realisieren können, um die Solidarität mit den Migrant_innen und Vertriebenen zu konkretisieren – mit jenen, die auf der ganzen Welt unter der Bedrohung ihres Lebens, ihrer Freiheit und ihres Eigentums leiden, hervorgerufen durch die fremdenfeindlichen Kampagnen der ultrarechten Regierungen.
Soweit unsere ersten Ideen. Natürlich denken wir über weitere Formen der Unterstützung und Solidarität nach. Wir, die zapatistischen Frauen, Männer, Kinder und Alten, werden Euch nicht alleine lassen.
Wir laden auch die gesamte Sexta und alle Interessierten zum Seminar der kritischen Reflexion «Die Mauern des Kapitals, die Risse der Linken» vom 12. bis 15. April 2017 im CIDECI- UniTierra 3, San Cristobal de Las Casas, Chiapas, Mexiko, ein.
Wir laden alle Künstler_innen zur zweiten Ausgabe des «CompArte für die Menschheit» mit dem Thema «Gegen das Kapital und seine Mauern: alle Künste» ein, welche weltweit und im Cyberspace stattfinden wird. Der «reale» Teil wird vom 23. bis 29 Juli 2017 im Caracol von Oventik und im CIDECI-UniTierra stattfinden. Die virtuelle Ausgabe wird vom 1. bis 12. August 2017 im Netz erfolgen.
Wir bitten Euch auch, allen Aktivitäten, zu denen der Nationale Indigene Kongress aufruft, Eure Aufmerksamkeit zu schenken, dies ist Teil seines Prozesses der Bildung des Indigenen Regierungsrates.
Wir laden die Wissen-schaftler_innen der ganzen Welt zur zweiten Ausgabe der ConCiencias für die Menschheit mit dem Thema: «Die Wissenschaften angesichts der Mauer» ein, vom 26. bis 30. Dezember 2017 im CIDECI-UniTierra in San Cristobal de las Casas, Chiapas, Mexiko und im Cyberspace.
Das ist nicht alles. Wir müssen widerstehen, wir müssen rebellieren, wir müssen kämpfen, wir müssen uns organisieren.

1. Die Sexta, sechste Erklärung aus der Selva Lacandona der EZLN, 28.5.2005  ist zu finden unter: www.enlacezapatista.ezln.org: Auf Grund dieser Deklaration bildeten sich in Mexiko und weltweit Gruppen, die versuchen, deren Zielsetzungen umzusetzen.
2. Dies ist ein Auszug des Appells. Der gesamte Text ist zu finden unter: www.chiapas.eu
3. CIDECI-UniTierra: Centro Indigena de
Capacitatión Integral (Indigenes Zentrum zur integralen Ausbildung), Universidad de la Tierra.

 

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Archipel

Dieser Text stammt aus dem Archipel

Ausgabe: 258 (04/2017)

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