Am 12. April 2026 stimmte das ungarische Volk in einer Wahl ab, die stets als perverse demokratische Wahl beschrieben wurde – eine Wahl, bei der der Sturz von Fidesz von vornherein als unmöglich galt. Eine grosse Bewegung von zum Teil sehr jungen Menschen hat das dennoch möglich gemacht.
In den sechzehn Jahren, in denen Orbán an der Macht war, hat er etwas aufgebaut, das schwer zu benennen ist, ohne dass es dramatisch klingt, aber genau das ist es: ein System, in dem die Menschen für ihn arbeiten, nicht umgekehrt. In dem die Jugend, Menschen wie ich, sich nicht vorstellen können, das staatliche Fernsehen einzuschalten und auch nur ein Wort von dem zu glauben, was dort gesagt wird. Meine Familie hat den Fernseher 2008 ein für alle Mal abgeschaltet, weil es einfach nichts mehr gab, was sich anzusehen lohnte – und ich weiss, dass das ein Symptom für etwas viel Grösseres ist als nur einen kaputten öffentlich-rechtlichen Sender.
Ich bin damit aufgewachsen, mir nichts anderes vorstellen zu können, als dass es meine persönliche Verantwortung ist, jede Bürgerinitiative, jede unabhängige Nachrichtenagentur, deren Fortbestand mir am Herzen liegt, und jeden Obdachlosen, an dem ich auf der Strasse vorbeigehe, aus eigener Tasche zu unterstützen – denn ich wusste, dass unser System sie schon lange im Stich gelassen hatte. Das ist es, was dieses Regime perfektioniert hat: eine Atmosphäre, in der nichts einen ungarischen Forint wert ist, es sei denn, es dient der bestehenden Macht, in der jede·r von Jahr zu Jahr nur in seinem Bereich lebt, ängstlich, sich abmühend, ohne zu wagen zu glauben, dass das, was er aufbaut, tatsächlich ihm gehört. Ich sah zu, wie es der Universität für Theater- und Filmkunst erging, wo meine Freundinnen und Freunde monatelang das Gebäude besetzten, während meine Mutter ihnen Essen brachte und jeden Tag andere Menschen kamen, um draussen ihre Solidarität zu bekunden – und dennoch sahen wir zu, wie der «starke Mann» alles Stück für Stück demontierte, weil wir darauf konditioniert worden waren, dass unsere Wahrnehmung von etwas unvorstellbar Ungerechtem nicht genügt, um es zu verhindern. Es geschieht doch; auf jeden Fall. Mittlerweile wurden fast alle Universitäten in staatlich geführte Stiftungen eingegliedert, wodurch ihnen die Forschungsunabhängigkeit, der interne Wettbewerb und der grösste Teil ernsthafter intellektueller Ambitionen genommen wurde.
Es gab immer Momente, die sich wie Ausnahmen anfühlten – Demonstrationen, die so gross und so kraftvoll waren, dass man sicher war, diesmal würde es anders sein. Das war es aber nie. Jahre des sich Erhebens, der Sprechchöre, des Plakatierens, um dann mit der unveränderten Situation von dannen zu gehen und die Wut nirgendwo anders hinleiten zu können als zurück in das eigene Umfeld und in sich selbst.
Die andere Wahl
Deshalb ist das, was Tisza aufgebaut hat, wirklich etwas anderes. Zum ersten Mal, seit Orbáns Rückkehr an die Macht, hat eine Oppositionspartei nicht damit begonnen, die Stimmen bereits politisierter Grossstadtbewohner·innen zu sammeln, die ohnehin schon immer gegen Fidesz gestimmt hatten. Nein, die Tisza-Leute gingen zuerst aufs Land. Sie gaben jeden Forint aus, den sie durch private Spenden eingenommen hatten – kein Parteigeld, keine ausländischen NGOs –, zogen von Dorf zu Dorf und setzten sich mit Menschen zusammen, deren politisches Mitspracherecht still und leise geraubt worden war – durch jahrelange gezielte Propaganda im nationalen Fernsehen, im nationalen Radio und auf den riesigen Plakaten am Strassenrand, welche die Autobahnen zwischen eben diesen Dörfern säumen. Es gab dieses berühmte Video, das von den unabhängigen Medien nach dem Fidesz-Erdrutschsieg 2022 gedreht wurde, irgendwo in einer Kleinstadt, wo eine Frau gefragt wurde, warum sie eben Fidesz gewählt habe, und sie fragte zurück: «Ist es nicht das, was wir tun mussten?» Sie hatte noch nie von anderen Parteien oder Kandidaten als Fidesz und Orbán gehört, und das war kein Einzelfall. Genau darum geht es. Und genau deshalb wurde Tisza vor dem 13. April kein einziges Mal in die nationalen Medien eingeladen.
Wir hatten den ganzen Tag geplant, wie wir es am Wahltag immer tun. Bei den letzten Wahlen hatten wir uns immer zu dem versammelt, was alle eine «Party der Resultate» nennen, obwohl es weit übertrieben ist, von einer Party zu sprechen, denn der Wahlabend war immer der deprimierendste Moment des Jahres. Trotzdem machten immer alle mit. Jede politische Gruppe veranstaltet eine, jeder Bekanntenkreis, und jetzt, bei einer so brisanten, so besonderen Wahl, fühlte es sich noch notwendiger an als sonst. Doch bevor es so weit war, galt es erst einmal den ganzen Tag zu überstehen, und die Stadt fühlte sich ganz und gar nicht wie an einem normalen Sonntag an. Budapest war auf eine ganz spezielle Art belebt – eine zurückhaltende, versteckt nervöse, zielstrebige Art von Belebtheit – alle bewegten sich auf die Wahllokale zu, alle trugen dieselbe Anspannung in sich.
Die Wahl selbst verlief, zumindest dort, wo wir waren, reibungslos. Die Organisation war gut; bei uns ging es schnell, was überraschend war, wenn man bedenkt, dass unser Bezirk eine Wahlbeteiligung von 85 Prozent verzeichnete. Es handelte sich zudem um den Wahlkreis, in dem Peter Magyar, der grosse Tisza-Herausforderer von Orbán, selbst für einen Wahlkreissitz kandidierte. Andere hatten nicht so viel Glück. Im ganzen Land und besonders an ungarischen Botschaften im Ausland standen die Menschen stundenlang Schlange. Das Bild dieser Warteschlangen sprach Bände darüber, was dieser Tag für die Menschen bedeutete.
Was an diesem Tag ebenfalls präsent war, wenn auch weniger sichtbar, war die Arbeit der ehrenamtlichen Wahlbeobachter·innen – Menschen, die sich im Rahmen einer mit Tisza verbundenen Initiative organisiert hatten, um in ländlichen Gebieten vor Ort zu sein, wo der Stimmenkauf durch Fidesz seit Jahren ein offenes Geheimnis war. Vor dem 12. April war ein Dokumentarfilm mit dem Titel «The Price of a Vote» erschienen – auf YouTube mit englischen Untertiteln verfügbar –, der es unmöglich machte, von dieser Realität die Augen zu schliessen: lokale Amtsträger, welche die schutzbedürftigsten Menschen nicht nur mit Bargeld, sondern auch mit Alkohol, mit Drogen und mit der Drohung, den Zugang zu Medikamenten zu verlieren, unter Druck setzten. Der Filmbeitrag zeichnet ein Porträt davon, wie sich ein Regime aufrechterhält, wenn ihm die Ideen ausgehen – indem es dafür sorgt, dass die am meisten verzweifelten Menschen glauben, sie hätten keine Wahl. Die Freiwilligen verbrachten den Wahltag in eben diesen Dörfern, beobachteten, dokumentierten, halfen. Dieses zivile Engagement war faszinierend. Und allem Anschein nach hat es funktioniert: Fidesz verlor Stimmen an Orten, auf die diese Partei sonst immer gezählt hatte.
Unsere Versammlung war gut organisiert. Jemand hatte ein Quiz zusammengestellt – fünf Runden, die sechzehn Jahre Fidesz-Herrschaft abdeckten. Fragen wie: «Wie viel kostete der Baumkronenpfad, der «Lombkoronasétány», über dem Balaton-See?» Dieser war zum berühmt berüchtigten Symbol dafür geworden, wie diese Regierung öffentliche Gelder verschwendete. «Nenne alle fünf Kinder von Orbán» und so weiter. Wir sassen da und beantworteten Fragen zu Skandalen, die wir miterlebt hatten, und lachten auf diese ganz eigene, erschöpfte Art, wie man über Dinge lacht, die einen gleichzeitig zutiefst wütend machen. Als die fünfte Runde zu Ende war (wir wurden Dritte von sechs Teams), waren die ersten Ergebnisse eingetroffen – 3 Prozent der Stimmen waren ausgezählt, ein leichter Vorsprung für Fidesz. Und so wurde es auf eine sehr vertraute Weise still im Raum. Die gleiche Stille wie an jedem anderen Wahlabend zuvor. Das gleiche beklemmende Gefühl, dass wir Idiot·innen waren, weil wir doch gehofft hatten; dass wir wieder darauf hereingefallen waren; dass die «Waffen», die Fidesz immer im letzten Moment zu zücken vermochte, bereits wieder am Werk waren: zusätzliche Wähler·innen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchten; Ergebnisse, die sich an bestimmten Orten verschoben hatten und die niemand so recht erklären konnte. Wir kannten dieses Gefühl. Wir hatten es jahrelang eingeübt.
Dann, bei etwa 10 Prozent ausgezählten Stimmen, ein klarer Vorsprung für Tisza! Und von diesem Zeitpunkt an war kein Halten mehr. Auf dem einen Bildschirm bei uns war Partizán – der unabhängige Fernsehsender: Der Moderator hatte ein Lächeln im Gesicht, das nichts mehr auf der Welt hätte wegwischen können. Auf dem anderen Bildschirm war M1, der nationale Sender, wo die Moderator·innen sichtlich darum rangen, Worte für das zu finden, was sie sahen. Da wussten wir bereits, – nicht hofften, nein, wussten –, dass eine Zweidrittelmehrheit zustande kam. Die Meinungsforschungsinstitute hatten dies seit Wochen vorausgesagt, und niemand hatte es gewagt, ihnen zu glauben. Sie hatten aber vollkommen recht. Gegen 21:30 Uhr hatte Tisza 133 bestätigte Sitze im Parlament erreicht, die Schwelle für eine absolute Mehrheit, und dann geschah das Aussergewöhnlichste: Im Livestream verkündete der Moderator, dass Viktor Orbán seinen Widersacher Peter Magyar persönlich angerufen hatte, um ihm zu gratulieren. Das war der Moment, in dem die Realität einsetzte. Denn wenn Orbán sagt, es ist vorbei, dann ist es vorbei – und was auch immer das über den Zustand unserer Demokratie aussagt, in diesem Moment war es die einzige Bestätigung, die sich real anfühlte. Wir mussten es von ihm hören.
Die Nacht der Wende
Wir öffneten alle Champagnerflaschen auf einmal und sangen alle nationalen Revolutionslieder mindestens viermal und zwanzig weitere Male im Laufe der Nacht. Dann wurde Orbáns Rede zur Anerkennung der Niederlage ausgestrahlt, und wir sahen ihn auf einem Podium stehen, mit seinem engsten Kreis hinter sich, von dem alle aussahen wie betretene Schulkinder vor dem Büro des Schuldirektors. Fast alle, bis auf einen: Peter Szijjártó – unser scheidender Aussenminister, eines der bekanntesten Gesichter des Regimes – war nirgends zu sehen. Er tauchte erst zwölf Stunden später auf, als er dabei erwischt wurde, wie er im Aussenministerium Dokumente schredderte.
Wir rannten auf die Strassen. Ich habe noch nie in meinem Leben eine solche Verbundenheit mit fremden Menschen erlebt – eine ganze Stadt, die keiner Vorstellung, keiner Erklärung bedurfte, nur dasselbe Gefühl, das sich zur gleichen Zeit entlud. Menschen umarmten Menschen, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Alle skandierten – «Orbán takarodj» («Orbán, verschwinde») – und noch andere Parolen, die schon seit Jahren gerufen worden waren, aber nun endlich eine echte Bedeutung hatten. Autos hupten, Menschen standen in den Schiebedächern, lehnten sich aus den Fenstern, weinten und lachten und beides zugleich. Wir machten uns auf den Weg zur Wahlparty der Tisza, wo sich Zehntausende versammelt hatten, und hörten uns Magyars Rede an, (die zu lang war), und die eigentlich keine Rolle spielte – denn hier ging es nie um ihn. Hier ging es darum, endlich von Orbán befreit zu sein – auf Nimmerwiedersehen. Die Gefühlsentladung in den Strassen zeigte, mehr als jede Analyse es könnte, wie weit das, was Fidesz aufgebaut hatte, von all dem entfernt war, was einer Demokratie auch nur annähernd ähnelte. In einer gesunden Demokratie weinen die Menschen nicht an den Schultern von anderen wegen eines Wahlergebnisses, egal wer gewinnt. Die Tatsache, dass wir es taten – dass wir es tun mussten – ist der deutlichste Massstab dafür, was uns genommen worden war und was es bedeutete, wieder etwas zurückzugewinnen.
Frauen und Roma im Parlament
Das Erste, was Magyar nach seinem Sieg tat, war eine dreistündige Pressekonferenz abzuhalten – offen für nationale und internationale Medien, wobei jede Frage beantwortet wurde. Diese eine Geste sagte bereits mehr aus als jede politische Ankündigung. Im Gegensatz dazu stand nie ein Fidesz-Politiker in den letzten Jahren vor Medien, die er nicht kontrolliert hätte, und nie beantwortete er eine Frage, die er nicht im Voraus genehmigt hätte. Und die ersten Fragen bei dieser Pressekonferenz wurden von den unabhängigen Medien (Partizán und Telex, beide mit ausgezeichneten Beiträgen auf Englisch) gestellt – von jenen, welche die gesamte Ära Orbán nur durch Abonnements überstanden hatten, von offiziellen Regierungsbriefings ausgeschlossen waren und deshalb vom Rande aus berichteten. Ich will nicht so tun, als wären mir da nicht die Tränen gekommen.
Was aus diesen drei Stunden hervorgegangen ist, wird noch verarbeitet, aber die Umrisse werden langsam klar – und einiges davon ist nach allem, was geschehen ist, wirklich kaum zu glauben. Zum ersten Mal in der Geschichte des ungarischen Parlaments werden vier Roma-Politiker·innen im Parlament sitzen. Allein das ist es wert, bei diesem Punkt innezuhalten. 46 der Abgeordneten der Tisza-Fraktion sind Frauen, und es wird sowohl eine Aussenministerin als auch eine Ministerin für Bildung geben. Nach Jahrzehnten einer Regierung, die Politik als eine ausschliesslich männliche und ethnisch weisse Sache betrachtete, ist das keine Kleinigkeit. Dazu wird zum erklärten Prinzip, dass ab jetzt jede·r lieben darf, wen sie und er will. Das sind im sonstigen Europa keine radikalen Positionen mehr, aber hier kommen sie anders an. Hier fühlen sie sich an wie Fenster, die in einem Raum aufgestossen werden, der lange Zeit zugesperrt war. Eine Energiepolitik soll betrieben werden, die sich von der Abhängigkeit von Russland abwendet. Die EU-Finanzierung wird wieder aufgenommen, wobei das Gesundheitswesen die oberste Priorität bekommt – deren Dringlichkeit jede·r versteht, der in den letzten zehn Jahren ein ungarisches Spital in Anspruch genommen hat. Die sofortige Aufnahme der Unterstützung der Ukraine steht auf der Agenda, ebenso eine vollständige Umstrukturierung der Ministerien, was die Rücknahme der Fusionen bedeutet, und die Wiedereinführung unabhängiger Institutionen, die mit Menschen besetzt werden, die tatsächlich wissen, was sie tun, anstatt mit jenen, welche die «richtigen» Leute kennen. Eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten auf zwei Amtsperioden ist vorgesehen, rückwirkend anzuwenden, was eine Rückkehr Orbáns ein für alle Mal ausschliesst. Und anstatt politische Rechnungen zu begleichen, ist das erklärte Ziel der Wiederaufbau eines Justizsystems, das in der Lage ist, Personen nach seinen unabhängigen Massstäben zur Rechenschaft zu ziehen. Dazu gehören der Wiedereintritt in die Europäische Staatsanwaltschaft und in den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und die Einführung einer Vermögenszuwachssteuer, die endlich einige naheliegende Fragen darüber stellen würde, woher bestimmte Vermögen stammen. Das alles ist kein revolutionäres Programm. Niemand verspricht, alles niederzureissen und von vorne anzufangen. Es ist eher eine Korrektur – entschlossen, klar und längst überfällig. Eine «Agenda des gesunden Menschenverstandes», wie Magyar sie selbst genannt hat, versucht, einen Staat zu reparieren, anstatt ihn zu ersetzen. Ob das ausreicht und ob die dahinterstehenden Menschen ihren Versprechungen gerecht werden, ist eine Frage, worauf die kommenden Monate eine Antwort geben werden.
Systemwechsel oder Neukalibrierung?
Doch es gibt bereits Dinge, die es wert sind, genauer beobachtet zu werden. In der Migrationsfrage liegt Magyars Position bislang genau im europäischen Mainstream – kontrolliert, bedächtig und nicht gerade progressiv. Diese Haltung ist derzeitig keine Position, die ausscheren oder gar Verrat üben würde. Doch all diejenigen, die gehofft hatten, der Moment des Wechsels würde etwas weit Offeneres und Werteorientierteres signalisieren, mögen nun eine frühe Begrenzung davon erfahren, wie weit der Neuanfang dann wirklich gehen wird.
Aber nichts davon hebt das neue Mandat auf. Nichts davon hebt auf, was in der Wahlnacht geschehen ist. Es ist eine Erinnerung daran, dass dies kein sauberer Bruch ist – es ist eine Neukalibrierung, durchgeführt von Leuten, die noch bekannt gegeben werden, in einem Land, dessen Institutionen sechzehn Jahre lang ausgehöhlt wurden. Die Richtung scheint klar zu sein. Ob die Details Bestand haben – ob die Leute dahinter Bestand haben – ist die Frage, die darüber entscheiden wird, was aus diesem Moment tatsächlich wird. In den kommenden Wochen wird das gesamte Kabinett Gestalt annehmen. Dann werden wir erfahren, was versprochen wurde und was damit gemeint war.
Was mir immer wieder in den Sinn kommt, ist Folgendes: Tisza war der einzige Weg, Fidesz aus ihrer widerlich bequemen Position zu verdrängen, und das hatte nichts damit zu tun, dass Magyar die richtige Person ist, um das Land zu führen. Er scheint das zu verstehen – vorerst. Ich hoffe aufrichtig, dass er das nie vergisst. Was ich mir nach diesem «Rendszerváltás» – dem Systemwechsel, wie wir es nennen – erhoffe, ist, dass wir endlich den Spielraum haben werden, etwas Vielfältigeres aufzubauen. Eine echte politische Landschaft mit echten Wahlmöglichkeiten. Vielleicht sogar eine echte linke Partei, die es ins Parlament schafft. Denn im Moment, nachdem sich der Staub gelegt hat, sehen wir drei Parteien, die alle Sitze besetzen: eine rechtsextreme, eine rechte und eine neue Partei, die sich als zentristisch bezeichnet und der wir glauben wollen. Das ist noch keine gewünschte Demokratie, könnte aber der Anfang von einer solchen sein.
Also – mal sehen, was die nächsten Monate bringen.
Zita Bathory, Studentin der Humanökologie in Budapest



